Leben ohne „muss“

Ich stolpere schon lange über ein kleines aber sehr machtvolles Wort. Es hat in seiner Anwendung meist nur vier Buchstaben und doch kann es einem das Leben zur Hölle machen. Es bringt einen in eine wirklich unangenehme Situation, die man nicht haben bräuchte. Dieses kleine Wort, von dem ich rede, ist das Wort MÜSSEN.

„Ich muss noch den Müll runterbringen.“
„Du musst erst alle Puzzleteile umdrehen.“
„Es gibt einfach Dinge, die müssen sein.“
„Du musst es doch nur richtig machen, dann musst du dich auch nicht mehr ärgern.“
„Du musst einen guten Job finden, damit du dir etwas leisten kannst.“
„Du musst jetzt den Fernseher ausmachen.“
„Ich muss heute noch Wäsche waschen, Bügeln, Aufräumen, die Koffer packen und die Kinder baden.“
„Ich muss heute noch Projekt 233 zu Ende konzeptionieren, die Anfrage von drei Kunden beantworten und einen neuen Auftrag an Land ziehen.“

„Man muss“ sooooo vieles tun. Jeden Tag „muss man“ und „muss man“ und „muss man“. Und nicht nur man selbst, nein, man lässt auch die anderen etwas „müssen“.
Wenn du dir die Sätze oben durchließt, findest du dich sicherlich in der ein oder anderen Aussage wider. Und vielleicht fällt dir auch auf, wie oft dein „Muss“ in deinem Alltag auftaucht? Aber warum schreibe ich das jetzt hier? Warum ist dieses kleine Wort überhaupt so interessant?

Das „MUSS“ kann weg…

Ich hab viel über positives Denken gelesen und gelernt, denn positives Denken ist die Grundlage für ein leichtes und entspanntes Leben. Für jeden. Es gibt viele Aspekte für positives Denken. Und dieses kleine Wort ist ein Teilaspekt, der erstmal total banal wirkt. Nur dass er das wirklich überhaupt nicht ist. Denn die Größe oder Bedeutung ist in diesem Fall gar nicht so wichtig. Was wichtig ist, ist seine WIRKUNG. Wie wirkt sich dieses Wort aus? Wie wirkt es sich auf DICH aus? Wie fühlst du dich dabei, wenn du dir selbst sagst „ich muss“?

Du bist hartgesotten und denkst jetzt, „hier wirkt sich überhaupt gar nichts auf irgend etwas aus.“ Okay, das ist okay, du darfst das genauso sehen. Aber fühlst du dich manchmal überarbeitet und fremdbestimmt? Hast du das Gefühl dein Leben dreht sich um irgendetwas aber nciht um dich? Du rennst nur etwas hinterher und kommst doch nie an? Keine Sorge, du bist nicht allein. Und DU kannst das ändern.
Lass dich nicht länger von dem Wort „müssen“ unter Druck setzten. Es ist schlichtweg nicht nötig. Dieses Wort kreiert eine Pflicht, die nicht existiert. Es erschafft eine Welt ohne Selbstbestimmung. Es stellt sich über dich selbst oder den anderen. Kannst du das fühlen?

Es ist wichtig, wie du etwas sagst. Denn jeder Satz erschafft eine Wahrheit. Gesagt ist gesagt. Und natürlich sollst du dich ausdrücken und Worte von dir geben. Und alles was du sagen möchtest, ohne andere verletzen zu wollen, darf auch gesagt werden. Jeder dieser Sätze ober und auch alle anderen „Muss“-Sätze kann umformuliert werden. Keiner dieser Sätze oben stellt eine wirkliche, reale oder existentielle Pflicht dar. Und du darfst gerne noch mehr solcher Sätze finden. Das ist sogar die allerbeste Übung. Denn positives Denken ist etwas das man üben kann und sollte.

„Ich MÖCHTE noch den Müll runterbringen.“
„Zuerst drehst du alle Puzzelteile um.“
„Es gibt einfach Dinge, DIE WICHTIG SIND.“
„WENN DU ES richtig machst, ärgerst du dich auch nicht mehr“
„Wenn du einen guten Job findest, kannst du dir bestimmt mehr leisten.“
„ICH WÜNSCHE MIR, DASS du den Fernseher ausmachst.“
„Wenn ich die Wäsche gewaschen, gebügelt, aufgeräumt, die Koffer gepackt und die Kinder gebadet habe, ist mein Tag geschafft.“
„Wenn ich Projekt 233 zu Ende konzeptioniert, die Anfrage von drei Kunden beantwortet und einen neuen Auftrag an Land gezogen habe, mache ich Feierabend.“

Faszinierend oder?

Machst du mit?

Ich lade dich in diesem Sinne zu eine kleine Challenge oder persönlichen Herausforderung ein.
Versuche eine Woche, das Wort „Müssen“ aus deinem Wortschatz zu streichen, nicht zu benutzen und nicht zu denken. EINE WOCHE OHNE PFLICHTEN! Ist das nicht toll?
Das ganze ist eine kleine Übung um dir bewusst zu machen, wie oft du dich selbst oder andere durch deine Wortwahl unter Druck setzt. Und es darf dir auch zeigen, wie einfach und mit kleinsten Mitteln du daran etwas ändern kannst.

Damit die Challenge ein bisschen mehr Pfeffer hat, kannst du dir selbst einen kleinen Ansporn setzten. Jedes mal wenn du doch das Wort „Müssen“ benutzt hast, sammelst du 10 Cent, die du am Ende der Woche für einen guten Zweck spendest.
Was dieser gute Zweck ist, kannst du für dich selbst entscheiden. Spendest du an eine Gemeinnützige Organisation für Burnout-Prävention oder gibst es dem Obdachlosen an der Ecke oder belohnst du dich selbst (was übrigens immer ein herforrangen guter Zweck ist!) und gönnst dir einen Eisbecher bei deiner Liebslingseisdiele.

Ich wünsche dir gutes Gelingen und großes Wachstum, denn du bist es wert!
Liebe Grüße,
Vera

p.s: Ich freue mich über deine Kommentare, deine Fortschritte, deine Hindernisse, deine Veränderung oder wenn du Hilfe mit der Änderung eines deiner „Muss“-Sätze brauchst…

Bei mir liegen schon nach dem Schreiben dieses Textes 10 Cent in der Kasse, denn ich hab mich erwischt, wie ich kurz davor war „muss“ zu schreiben…. 😉


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Was mich meine Depression lehrte

Hallo aus dem Off. Ein Tabu-Thema. Und eine viel diskutierte Diagnose.
Manche Verfechter der Schulmedizin, wollten es noch nicht einmal wahr haben. Für mich war es dann klar, was es sein kann, wenn man sich niedergeschlagen, überfordert, unmotiviert und fehl am Platz fühlt. Wenn man kaum noch Freude empfinden kann und sein Dasein als sinnlos ansieht. Wenn man in Heulkrämpfen zu Boden sackt und einfach nicht mehr weiter weiß.
Das alles ist ca zwei Jahre her. Ich habe lange versucht meine Hilflosigkeit zu unterdrücken. Ich wollte es nicht wahrhaben. Ich habe so vieles verdrängt. Habe verzweifelt versucht klar zu kommen. Aber ich kam allein einfach nicht weiter. Ich drehte mich im Kreis. Und ich wollte einfach weg.
Darum war ich auch lange der Meinung es läge am Umzug. Dass ich mich in München einfach nicht wohl fühle. Die Menschen nicht sympathisch genug sind. Die Kita nicht gut genug ist. Die Kinder sich nicht wohl fühlen. Mein Mann was falsch macht. Ich habe so viele Theorien aufgestellt. Im Außen nach Gründen gesucht, nach Schuld. Doch keine der Theorien hatte dazu geführt, dass ich mich besser fühlte.

Ich habe so viel geweint. So viel. Jeden Tag, mehrfach. Ich war noch nie so unglücklich und ich habe mich noch nie so undankbar gefühlt.
Dann habe ich geschafft professionelle Hilfe aufzusuchen.
Als es anfing mir besser zu gehen, wollte ich einfach „wissen“. Alles wissen. Warum es so weit kam. Wie ich jetzt reagieren kann. Was ich in Zukunft nicht mehr machen sollte. Es war eine lange und auch beschwerliche Reise. Aber sie half mir zu verstehen und zu akzeptieren. Dass ich „falsch bin“, daran hab ich nie geglaubt. Aber dass ich etwas tieflegend und gänzlich falsch gemacht habe, das hab ich ganz deutlich gespürt. Und da ist auch schon das erste, dass ich (wieder) gelernt hab:

Vertraue auf dein Gefühl!

Gefühl, fühlen, spüren. Das hatte ich mir einige Zeit davor einfach nicht mehr erlaubt. Ich dachte einfach, ich kann meine Gefühle ausschalten. Sie stören mich, dachte ich auch. Sie bringen mich von meinen Zielen ab, dachte ich. Ich fand sie unnütz und hab den Schalter umgelegt. Was für ein fataler Fehler!
Ich habe gelernt, dass meine Gefühle ein elementarer Teil von mir sind. Dass sie gut für mich sind, dass sie es vor allem gut mit mir meinen. In meinen Gefühlen äußern sich Herzenswünsche und Sehnsüchte. Mein Bauchgefühl ist mein Kompass. Dieses Gefühl – meine Intuition – ist mein elementarer Motor. Und du weißt, was passiert, wenn man den Motor aussschaltet…  Es hat Monate gedauert und ein liebevolles Buch und eine neue sehr gute Freundin, einfach Zeit und Veränderung, bis ich das nun endlich verstanden habe.

Der zweite Grund für meine Depression ist ein noch grundlegenderer. Dieser Grund betrifft fast alle Menschen, die ich bisher kannte. Und genau das ist einfach erschreckend. Ich bin selten in meinem Leben Menschen begegnet, die diese einfach Sache wirklich verstanden hatten. Und wenn, dann konnte ich es damals noch nicht begreifen. Ich erinnere mich nur, dass ich von diesen „anderen“ Menschen, die es schon begriffen hatten und es leben, wie magisch angezogen war. Erst jetzt, mit 33 Jahren, kann ich sehen, was dahinter steckt.

Du bist NUR für dich, deine Gefühle und deine Gedanken verantwortlich. Für niemanden sonst.

WOW! Paff. Als ich das zum ersten Mal mit offenem Herzen und offenen Augen las, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Diese Erkenntnis hat eine solche Kraft. Und sie ist so tiefgreifend und dabei doch so einfach. Und sie nimmt mir letztlich eine riesige Last von den Schultern.
Denn sobald ich mir dieser Tatsache bewusst bin, muss ich nicht mehr andere glücklich machen. Musste ich nicht mehr so handeln, dass andere damit zufrieden sind. Muss ich mir nicht mehr überlegen, wie ich was sagen soll, damit der andere mich trotzdem noch mag. Und ich muss mir nicht mehr ausdenken, welche Brötchenhälfte denn der andere lieber hätte, damit ich sie ihm übrig lassen kann. Und das was hier in den letzten drei Sätzen steht ist nur die Spitze des Eisbergs.
Die Kehrseite ist genauso unglaublich schön. Denn ab sofort mache ich auch niemanden mehr für mein Glück verantwortlich. Diese Verantwortung trage ich selbst. Ich kann selbst bestimmen, wie ich mich fühle. Und ich kann mich selbst glücklich machen, in dem ich Entscheidungen treffe, die meinem Bauchgefühl entsprechen. Ich muss nicht länger warten, dass einer endlich DAS richtige macht, damit ich mich gut oder schön oder erfolgreich oder was auch immer fühlen kann. Ich kann es selbst. Einfach. Jetzt.

Ich bin meinem Leben, den Menschen,die ich traf, meiner Weisheit und dem Universum so unglaublich dankbar für alle diese schönen und schmerzhaften Erfahrungen, die dazu geführt haben, zu dieser Erkenntnisse zu gelangen. Danke von Herzen, denn heute kann ich sagen, ich bin freier als je zuvor.

In großer herzlicher Liebe, Vera

Ich bin überholt

Weißt du was? Meine Kleine Maus, meine „Große“, so genannt, weil sie die Ältere ist. Mein Mädchen, mein Baby, mein erstes Kind. Sie wird schon bald fünf! Fünf Jahre alt! Und ab September ist sie ein Vorschulkind!  Ich kann es kaum glauben und in meinen Stolz und meine Freude mischt sich immer mehr mit ein bisschen Angst. Mir war immer klar, mir Babys kenne ich mich aus. Das klappt. Das läuft. Da kannste mir auch drei geben, krieg ich hin. Dann mit der Kita war es ein leichter Einstieg in die Welt der Fremdbetreuung. Kind abgeben lernen, Vertrauen haben, nicht mehr alles wissen und Kontrolle auslagern. Bis hier her war einfach alles gut. Jetzt im neuen Kindergarten, mit neuen Kindern, anderer Umgebung, anderen Erziehern, tun wir uns manchmal schwer. Liegts am Alter? Mehr Konflikte unter den Kindern. Nicht so netter Ton unter den Kindern. Zickereien mit vier Jahren. Also, sind die jetzt schon in der Pubertät? Ich blick da langsam nicht mehr durch und habe das Gefühl ich komme nicht hinterher. Und irgendwie, fürchte ich, geht das nicht mehr weg. 

    Vielleicht altere ich zu langsam? Das ist eine schöne Frage und auch ziemlich lustig. So beschwert frau sich doch eher darüber, zu schnell alt zu werden. Klar, wirklich alt bin ich nicht. Aber zeitweise fühle ich mich noch viel jünger. Bin gerade so dem Studentenalter entwachsen. Und dabei bin ich dafür doch schon längst zu alt. Bin noch nicht Arbeitnehmerin. Fühle mich aber auch nicht mehr, wie in Elternzeit. Die Kinder sind groß. Und haben mich überholt. Bis ich einen Job habe ziehen die Kinder aus. Geht mein Leben erst los, wenn es auch irgendwie schon eine Art Ende hat? Gut, dass die Zeit einfach unbeachtet meiner Gedanken weiter läuft. 

    Das bleibt jetzt so

    Ganz ehrlich, bevor man Mama wird, hat man einfach keine Ahnung. Selbst wenn man einen noch so tiefen Einblick bei der Schwester, Cousine oder wem auch immer hat. Man hat NIE das Gesamtbild und NIE dieselbe Persönlichkeiten.

    Babysitten ist wunderschön. Habe ich selbst jahrelang gemacht. Mein kleinster Bruder ist neun Jahre jünger. Ich war von Anfang an eine Ersatz-Mama. Als ich dann 14 war konnten wir uns sogar unseren Babysitter sparen. Meine Cousine ist 13 Jahre jünger als ich. Auch dort war ich oft und gerne. Ich wollte anfangs sogar Erzieherin werden. Und auf jeden Fall so früh es geht eigenen Kinder haben.

    Eigene Kinder haben ist – anders. Es gibt so viele tolle Momente, wir lachen, wir grinsen und freuen uns. Und wir bekommen sie ALLE mit. Nicht nur einen Ausschnitt. Wir lernen einen neuen Menschen kennen. Seine Vorlieben, seinen Charakter, sein Gemüt. Wir können diesem Mensch so viel mitgeben. Ihn rüsten. Und wir werden auch unendlich viel von ihm lernen.
    Einiges ist bemerkenswert. Zum Beisspiel habe ich erfreulicherweise durch die Kinder gelernt einen Standpunkt zu haben und sich nicht davon abbringen zu lassen. Okay, manchmal tue ich mir noch immer schwer. Vor den Kindern aber ist ein Zweifeln nicht möglich. Das lassen sie einfach nicht zu. Das geht schlichtweg in die Hose.
    Und noch viel wichtiger ist, vor anderen Groß zu sein. Ich bin eher zurückhaltend. Aber für die Kinder muss man schon mal über seinen Schatten springen. Jemanden um etwas bitten oder um Erlaubnis fragen, wo ich sonst vielleicht eher einen Rückzieher gemacht hätte, als unwichtig und der Mühe nicht wert abgetan, mich einfach nicht getraut habe. Aber genau das möchte ich meinem Kind eigentlich nicht beibringen. Also muss ich es selbst mal ganz fix lernen.

    Etwas anderes, hat mich tief beeindruckt. Ich weiß noch selbst, wie unnötig ich es fand, wenn meine Mutter sich Sorgen machte. Also später meine ich, mit 18 aufwärts. Im Studium und nicht mehr zu Hause wohnend. Wenn ich das Elternhaus bei einem Besuch verlassen habe, hat meine Mutter plötzlich wieder mit halboffenem Ohr geschlafen. Das hab ich nie verstanden. Dabei bekam sie die anderen Nächte ja auch nicht mit, ob ich wohlbehalten zu Hause ankomme. Diese Angst, diese Sorgen, das ist der Innbegriff des Muttersein. (Leider). Und es ist da spätestens beim ersten Atemzug des Sprösslings. Meistens eher schon während der Schwangerschaft. Und es durchdringt einen. Von Früh bis Spät denkt man daran. Und: es bleibt – für immer. Es ist eine Gabe, ein Alarmsystem. Aber es ist auch ein Fluch. Man lebt in ständiger Angst. Ist das nicht verrückt?

    Natürlich ist das jetzt ein wenig erschreckend.Aber ganz ehrlich, davon darf und muss man sich nicht vorm Kinderkriegen abschrecken lassen. Aber vielleicht hilft es ja, es schonmal gehört zu haben.

    Ich habe zum Glück einen Schalter gefunden, der nennt sich: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Der funktionier super! Wenn ich die Kinder zum Beispiel in Kindergarten und Krippe abgebe, dann weiß ich, dass sie dort gut aufgehoben sind und das ihnen nichts lebens- oder persönlichkeitsbedrohenden passieren wird. Sie sind also ziemlich sicher. Dann drück ich den Knopf, und denk einfach nicht mehr darüber nach. Ich überlege mir NICHT, ob die Große nicht doch noch einen Pulli gebraucht hätte. Oder Junior besser mit seiner Nuckelflasch durch den Tag kommen würde. Ich verlasse mich darauf, dass die Erzieher es schon richten werden. Und das ist auch immer so. Wenn doch mal was passiert, rufen sie an. Darauf kann man sich verlassen. Sofern man eine Einrichtung seines Vertrauens gefunden hat.
    Außerdem passiert sowieso in den allerwenigsten Fällen überhautp etwas. Schon allein in der Wohnung. Wenn der viel zu groß geratene Kopf des viel zu schnellen Juniors einmal mehr knapp die Tischecke verfehlt hat. Milisekunden davor rutscht einem das Herz in die Hose und man sieht sich schon zum Telefon sprinten und den Notarzt rufen. Manchmal hab ich deshalb wirklich einfach die Augen zu gemacht. Und es ist nie etwas passiert. NIE. Man kann also Methoden lernen mit dem endgültigen Veränderungen durch das Muttersein klar zu kommen. Alles halb so schlimm.

    Es gibt ja auch wunderbar Dinge, die dann für immer so bleiben werden:
    Freude über jede kleine Regung des Säuglings, das erste Sabbeln, Krabbeln, Babbeln.Das erste Jahr ist so heftig, wie schön. Danach wird es noch lustiger, Sprechen lernen, rausfinden was in dem kleine Kopf vor sich geht, selbsständig werden.
    Stolz auf die fantastischen Fähigkeiten, die sich entwickelnde kleine Persönlichkeit, das Gefühl tolle Kinder zu haben. Und das Elternsein an sich. Das bleibt ja auch – für immer.

    Eine Phase, die die Mama nicht braucht

    Ganz ehrlich, wir haben eine Phase. So eine dämliche Phase. Igitt igitt. Ich zähle die Tag, nein, die Sekunden, bis sie endlich vorbei ist. Die geht so:

    Ich bin in der Küche, bereite das Essen vor. Kind (die Große) spielt im Wohnzimmer. Keine vier Meter. „Mama, komm!“
    „Ich bereite das Essen vor, Momeeeehent.“
    „Mammiiii, komm jetzt!“
    „Was ist denn los?“
    „Du sollst kommen!“
    „Ich kann jetzt nicht, mach doch noch ein Puzzle bis ich da bin.“
    „Du sollst aber bei mir sein.“

    Oder so. Das Kind konnte endlich zum Selbsttun verleitet werden. Es darf malen. Stifte, Blätter, Malbuch, alles da. Ich sitze gegenüber und machen meinen Bastelkram. Am selben Tisch. GEGENÜBER. Sie: „Mama, komm!“
    „Ich bin doch da, ich sitzte hier. Hallo!?“ Ich winke ihr zu und schaue ihr in die Augen.
    „Aber du sollst mir helfen.“
    „Beim Malen?“
    „Ja“
    „Kannst du das nicht selbst?“
    „Nein, du sollst hier sitzen und du kannst das hier ausmalen. Ich sitze auf deinem Schoß, ja?“

    Das ist Teil 1 der Phase. Völlige Unfähigkeit auch nur irgendetwas „alleine“ zu machen. Schon das Wort „allein“ ist bei uns so schrecklich negativ behaftet. Selbst nach stundenlangem gemeinsamen Spielen kann sie nicht alleine in einem Zimmer sein. Nicht alleine aufs Klo. Nicht alleine zur ihrem Stuhl und nicht alleine Malen. Dabei bin ich immer da. Immer um sie herum. Doch das reicht ihr nicht. Nein, sie möchte am liebsten wohl wieder in mich hineinkreichen, zumindest aber wie ein Klett-Klammeräffchen an meinem Ärmel kleben.
    Manche Mutter denkt jetzt vielleicht: Wie schön, freu dich, dass dein Kind mit dir kuschelt!
    Ja, kuscheln ist auch schön. Aber klammern, klammern und den Bewegungsradius derart einschränken, die Freiheit derart beschneiden, bis wir so eng sind, als wären wir nur noch eine Person… das ist NICHT schön. Und ich brauche ein wenig Luft zum Atmen. Und ich hoffe sehr, dass dieses Ausmaß nicht nur für mich mehr als erdrückend klingt.

    Teil 2 der Phase ist noch viel lustiger und mischt sich natürlich wunderbar mit Teil 1. Nennen wir es mal salop: Faulheit. Die Faulheit die heruntergefallene Gabel selbst aufzuheben. Die Faulheit sich selbst vom Stuhl auf das Sofa zu bewegen. Und die Fauhlheit sich selbst eine Haarspange zu holen. Das war zur Spitzenzeit. Die Haarspange. Es is immer noch unfassbar. Wir wirbeln den Haushalt zwischen Küche und Wohnzimmer. Sie lungert im Flur. „Mama, hol mir eine Haarspange.“
    „Du, ich räume gerade auf. Holst du dir selbst eine? Du weißt ja wo sie sind.“
    „Nein, du sollst!“
    Ich atme tief, weil es einfach völlig absurd ist.
    „Bitte hol dir selbst eine Haarspange“
    „Nein, ich kann das nicht… ich.. ähm.. weiß nicht wo die sind… und…“
    „Es kann ja wohl nicht sein, dass ICH dir jetzt eine Haarspange holen soll, obwohl du das genauso gut selbst machen kannst. DU brauchst doch einen Haarspange, nicht ich.“
    Heult und windet sich auf dem Boden.
    Wir gucken uns nur völlig entgeistert an.

    Also, ich meine, was ist das? Wo kommt das her? Und dieser Befehlssprech. So sprechen wir nicht miteinander. (Gut, wenn ich schimpfe könnte es vielleicht in die Richtung gehen. Aber das ist schon eher kurz vor Bestrafung. Also das kommt nicht so oft vor.) Wenn mir so etwas auffällt, achte ich sehr darauf und korrigiere ggf meine Wortwahl. Und in diesem Prozess wäre mir wirklich nicht aufgefallen, dass ich militärartige Befehlsketten von mir gebe.

    Ja, meine kleine Große, sie braucht viel Nähe und Aufmerksamkeit. Und ja, ich spiele zu wenig mit ihr. Sie möchte natürlich immer Rollenspiele spielen. Und das schaffe ich wenn es hoch kommt 30 Minuten. Ich finde es schrecklich. Ich muss dafür wirklich erst Kräfte sammeln. Und das tut mir sehr leid, aber ich weiß nicht, wie ich das ändern könnte.
    Ich spiele gerne alles andere oder baue etwas oder bastle. Ich kann auch mal das Pferdchen sein oder der Reiter. Aber machst DU das alle wirklich den ganzen Tag*(sie war eine Woche krank und zu Hause, also meine ich wirklich DEN GANZEN TAG)? Die Große fordert so viel, dass ich nicht weiß, was noch „normal“ ist und was einfach zu weit geht. Bzw ab welchem Punkt ich auch einfach und ohne blödes Gewissen mal „Nein“ sagen kann.

    Die Faulheit rührt hoffentlich von der Krankheits-Lethargie. Hoffe ich. Sehr. Sie hat sich wirklich merkwürdig verhalten. Sie wollte gar nichts mehr machen. War sie sauer, enttäuscht, gekränkt? Weil ich ihr nicht die Aufmerksamkeit geben konnte, die sie wollte? Es wird langsam etwas besser. Wir sind extra stolz auf sie, wenn sie etwas alleine schafft. Und das hat sie so langsam verstanden. Der Fühling kommt ja auch bald. Alles wird gut.

     

    Handyfrei

    In einer Zeitschrift las ich kürzlich einen Artikel, wie schädlich es für die Entwicklung der Kleinen ist, wenn man als Eltern ständig nebenher in sein Smartphone starrt. Vermutet hatte ich das ja auch, und trotzdem ist die Versuchung immer schnell sehr groß. Und ja, ich gehöre auch dazu. Ich bin keine Mutter, die ihre Kinder ständig bespaßt. Ich rege an und dann spielen sie. Klar setze ich mich auch dazu und spiele mal mit. Aber selten und sicherlich nicht die ganze Zeit. Die Krux ist, das es mir dann schnell zu wenig zu tun ist. Merkwürdig. es ist ein ganz komischer Zustand, zwischen Langeweile und Überforderung. Dazu kommt, dass ich mein Gehirn einfach nicht abschalten kann. Selbst den Pausenknopf hab ich noch nicht gefunden. Also arbeitet es und denkt und grübelt und dann fällt ihm allerhand ein, was es noch zu tun, zu informieren und zu recherchieren gäbe. Und schon hab ich das doofe Ding wieder in der Hand und befrage den Gockel. Natürlich wollen die Kinder ab und zu was und sie sind irgendwie genervt, wenn ich den Blick senke und sichtlich abgelenkt bin. Wenn sie dann auch noch dreimal rufen müssen, weil ich so vertieft bin… Da würde mir auch der Geduldsfaden reißen.  

      Zum Glück wurde ich neulich, durch meine eigenen Unachtsamkeit gezwungen, mehrere Tage ohne mein oftgenutztes Accessoire auszukommen. Bei der Abreise habe ich schlichtweg vergessen es einzupacken. Bis ich es bemerkt hatte, war es zu spät. Der Zug gleich da und wir auf Reise. Schluck. Wie wird das werden? Kann das gutgehen? Geht das überhaupt? Keine Uhr. Keine MVV-Verbindungsrecherche. Keine Umgebungskarten. Kein Telefon. Keine Nachrichten. Keine Instagram-Posts.  

      Das stellte mich schon vor kleine Probleme. Die Uhrzeit ist schon oft wichtig. Zum Glück fand ich meine Armbanduhr im Bad, immer noch auf Winterzeit, schon wieder aktuell. Die Abfahrtszeiten der Busse kann man auch auswendig lernen. Oder man fährt ein paar Tage mal nicht damit. Orte, die man nicht kennt, muss man vorher recherchieren. Wenn der Weg nicht allzu kompliziert ist, kann ich ihn mir sogar merken. Danke, liebes fotografisches Gedächtnis! Telefonnummern von den wichtigsten Menschen sind im Festnetz-Telefon gespeichert. Die der öffentlichen Personen findet man in Internet. Die anderen werden in dieser Zeit nicht angerufen. Kannst du dir alle Handy Nummern deiner Freunde merken?  Auf Nachrichten kann man tatsächlich recht gut verzichten, was ich wirklich nicht gedacht hätte. Ich hoffte nur, das niemand anfängt sich Sorgen zu machen, wenn ich so lange nicht online bin. Das Beste aber an der Sache: niemand ist mehr genervt! Meiner Kinder nicht, und selbst ich nicht. Eigentlich hat das gute Stück nämlich ständig nur Stress produziert. Eine Daueraufgabe nebenher. Wie ein Nebenjob. Und viel zu wichtig. Es war wirklich entspannter zu Hause. Die Kinder genossen ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Und ich die Ruhe. Zu tun gibt es sowieso genug. Allerdings ist es ein wenig mehr organisatorischer Aufwand. Denn man muss für einen simplen Weg vorab viel recherchieren und sich merken, bzw aufschreiben und vor allem bedenken.

      Mein Smartphone ist jetzt wieder da. Und ich bin ein wenig beruhigt. Kann wieder spontan zum Bus ohne 20 Minuten Wartezeit für eine Fahrzeit von 7 Minuten. Alles andere braucht es wohl nicht. Von unterwegs ohne meine Familie finde ich es aber auch schön, Fotos schicken zu können und einfach ein bisschen dabei zu sein, zu hören wie es geht. Aber mit Sicherheit wird die Handyzeit in Zukunft reduziert. Dann sind wir alle glücklicher.

      Blubberblasenwelt

      Heute kinderfrei! Die Große glücklich im Kindergarten und Junior hat heute Oma-Tag. Ich hab natürlich einen Berg voller Arbeit. Ich hab natürlich KEINE Todo-Liste. Ich vertrödele natürlich meine ganze Zeit mir unwichtigen Dingen. Sobald ich alleine bin und eigentlich endlich Zeit hätte alle To’s und Do’s zu erledigen, dann klappe ich quasi in mir zusammen und weiß gar nichts mehr. Alles weg. Dann könnte ich stundenlang nur auf meinem Stuhl sitzen und grübeln oder surfen (im Internet) oder einen Katalog anschauen. Am liebsten natürlich den Katalog, der mit meinem neuen Arbeits-Hobby zusammenhängt. In meiner neuen Arbeits-Hobby-Welt nämlich ist alles aus Zucker, rosa, bunt und schön, vor allem ästhetisch. Darum geht es nämlich. Ums entwerfen von wunderschönen Papierarbeiten. Darin könnte ich völlig aufgehen. Ich bräuchte nichts anderes mehr. Ich denke auch kaum noch an etwas anderes. Diese wunderschöne und wunderbar heile Welt nimmt mich ein – ein Blubberblasenwelt. Siehst du mich dahinfliegen?

      Normalerweise verlasse ich die Wohnung selten an einem kinderfreien Tag. Gibt einfach in der Wohnung genug zu tun und die paar Stunden sind sowieso wahnsinnig schnell vorbei. Heute morgen aber, musste ich endlich Briefe wegbringen, außerdem Müll, und noch eine Zutat für den Kuchen besorgen. Da wurde ich von der herbstlichen Ungnädigkeit getroffen. Erstens kam ich mir lächerlich vor, weil ich den Schirm aufgespannt hatte, obwohl nur Nieselregen. Zweitens wollte ich die freie Straße überqueren, die sich aber just in diesem Moment mit Autos füllte. Diese Tatsache hat mich auf den Radlweg abgedrängt, was mir wiederum auch schrecklich peinlich war. Als wäre ich völlig neu in Städten. Am Briefkasten angekommen, passten meine Briefe schlichtweg nicht in den Schlitz. So ein Ärger. Dieser Kasten ist nur für Briefe bis Großbrief geeignet. „Maxibrief nicht zulässig“, könnte wenigstens drauf stehen. Der doofe Umweg zur Sammelstelle für Plastikmüll ärgert mich ja sowieso immer. Aber dass mir ausgerechnet die Windelmülltüte, beim Versuch, das stinkige Ding in die Tonne zu hieven reißt… was soll ich noch sagen. Der Boden war dazu noch nass.

      Immerhin habe ich heute also geschafft den Müll wegzubringen, einen passenden Briefkasten für Maxibriefe zu finden, bezahlbare gemahlenen Mandeln einzukaufen und ein großartiges Foto zu schießen. Mal schauen, was der Herbst mir morgen bringt.

       

      Was bringt dir so ein doofer Herbsttag? Lass mir gerne einen Kommentar hier!